Freizeit und Kultur in Deutschland 2018

In der heutigen Zeit ist die Freizeit ein Lebensbereich, der für die Identität und die Lebensqualität der Menschen in westlichen Gesellschaften äußerst wichtig ist. In der Wissenschaft werden bisher nur andere Lebensbereiche wie Arbeit, Familie und Politik untersucht. Dazu gibt es viele große Umfrageprogramme. Wir möchten den wissenschaftlichen und öffentlichen Kenntnisstand nun um den Bereich Freizeit und Kultur erweitern. Im Unterschied zu anderen Ländern, in denen eine lange Tradition der Freizeit- und Kulturberichterstattung besteht (z.B. Frankreich, Niederlande, Belgien, Großbritannien, USA), gibt es in Deutschland bisher nur wenige wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse zu diesen Fragen.

Unter dem Titel „Freizeit und Kultur in Deutschland“ führt die Johannes Gutenberg-Universität Mainz daher gemeinsam mit dem Sozialforschungsinstitut infas eine repräsentative Bevölkerungsumfrage in ganz Deutschland durch, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziell gefördert wird. Es handelt sich um die bisher größte wissenschaftliche Untersuchung zu diesem Thema in Deutschland.

Die Studie zeichnet sich durch ein großes Themenspektrum aus. Schwerpunktmäßig wird nach dem Freizeitverhalten und nach den kulturellen Vorlieben bzw. Geschmäckern in mehreren gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen gefragt: Wer geht beispielsweise gern ins Theater, wer ist im Sportverein engagiert, wer verbringt die Freizeit gern in Haus und Garten? Wer spielt ein Instrument oder singt im Chor? Wem gefällt welche Art von Musik, wer mag Serien oder Filme? Darüber hinaus sollen die Hintergründe gegenwärtiger Aktivitäten und Vorlieben betrachtet werden: Wie hat sich beispielsweise das Freizeitverhalten im Laufe des Lebens entwickelt und welche Personen waren dabei prägend? Wer nutzt Freizeit- und Kulturangebote, um sich unterhalten zu lassen oder sich weiterzubilden?

Die Umfrageergebnisse sind für eine Vielzahl wissenschaftlicher, gesellschaftlicher, kultur- und bildungspolitischer Belange relevant:

  1. Wissenschaft und Forschung: Die Umfrage dient der Klärung grundlegender wissenschaftlicher Fragen und der Überprüfung von Hypothesen aus unterschiedlichen Fachgebieten (Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie, Pädagogik, Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften). Grundsätzlich geht es um den weitläufigen Fragekomplex, wie der kulturelle Geschmack und die Aktivitätsmuster der Menschen in der Freizeit entstehen und wie sie zu erklären sind. Z.B. soll herausgefunden werden, welche Rolle die Prägung durch das Elternhaus für die aktuelle Beteiligung am Kulturangebot spielt und wie stark die Freizeitaktivitäten vom Einkommen und anderen Lebensumständen der Menschen abhängen. Zu solchen Fragen gibt es bisher wenig fundierte Erkenntnisse.
  2. Kultureinrichtungen, Kulturschaffende und Kulturpolitik: Freizeit- und Kulturanbieter wie auch die Kulturpolitik haben ein großes Interesse an Informationen zum Konsum und zur öffentlichen Unterstützung von Kunst und Kultur. Die Umfrage trägt dazu bei, mehr über die Nutzer und vor allem die Nichtnutzer kultureller Angebote zu erfahren. Welche Angebote sind für welche gesellschaftlichen Gruppen relevant? Welche Barrieren des Zugangs gibt es? Welche Kulturangebote sind aus Sicht der Bevölkerung förderungswürdig und welche nicht? In der Umfrage haben die Befragten die Möglichkeit, Meinungen und Standpunkte abzugeben, die indirekt Einfluss auf kulturpolitische Entscheidungen haben können.
  3. Bildungspolitik: Bildungspolitisch wird aktuell davon ausgegangen, dass die kulturelle Bildung ein Schlüssel ist, um Herausforderungen wie die Digitalisierung und Globalisierung zu bewältigen. Die Ergebnisse der Studie können genutzt werden, um Wirkungen allgemeiner Förderstrukturen im schulischen und außerschulischen Bereich besser abschätzen zu können.
  4. Kulturberichterstattung in Deutschland und der EU: In Deutschland steht derzeit am Beginn des Aufbaus einer regelmäßigen Kulturberichterstattung im Rahmen der amtlichen Statistik (Statistisches Bundesamt und statistische Länderämter). Auch in der EU gibt es Bestrebungen, ein harmonisiertes Kulturmonitoring für die Mitgliedsländer aufzubauen. Die Bereitstellung der Daten und Ergebnisse wird hierfür einen wichtigen Beitrag leisten und den Kultur- und Bildungsstandort Deutschland stärken.

Ein ausführlicher Ergebnisbericht wird der Öffentlichkeit zum Ende des Jahres 2019 zugänglich gemacht.